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Samstag, 8. September 2012

The best year of my life


Bericht über mein Auslandsjahr

­The best year of my life!!!

Am 11.August 2011 klingelte mein Wecker um 4 Uhr morgens. Ich war sofort hellwach. Heute war ein ganz besonderer Tag. Meine Koffer waren gepackt, die Abschiedsparty´s waren gefeiert und jetzt ging es los: Mein Jahr in den USA. Meine Familie brachte mich zum Flughafen. Zum Glück war ich dort nicht allein. 16 andere PPP Austauschschüler und ein paar AFS Mitarbeiter waren da. Man konnte die Aufregung bei allen spüren. Nach ein paar Erklärungen zum Ablauf der Reise mussten wir uns von unseren Familien verabschieden. Das war sicher nicht ganz leicht, aber in diesem Moment siegte die Vorfreude. Dann gings los. Jeder zog seine Koffer hinter sich her und wir gingen zur Gepäckabgabe, zum Check in und dann auch ins Flugzeug. Als das Flugzeug startete, wurde mir bewusst, dass ich Deutschen Boden erst wieder in einem Jahr, am 30. Juni 2012, betreten würde.

In den USA angekommen wurden wir schon von Amerikanischen AFS Mitarbeitern erwartet. Alles ging total schnell. Wir wurden auf verschiedene Busse  verteilt. Nach einem kurzen Zwischenstopp in einem Hotel in New York City, in dem wir wieder auf verschiedene Zimmer verteilt wurden, ging die Reise zu meinem neuen Zuhause weiter. In einem Bus wurden alle Austauschschüler, die ihr Jahr in Rhode Island oder Massachusetts verbringen würden, nach Boston gebracht. Dort hatten wir ein zweitägiges Vorbereitungscamp. Am Nachmittag des zweiten Tages war es endlich soweit. Ich konnte den Moment kaum erwarten. Die Mitarbeiter nannten diesen Moment den „Golden Moment“: „Niemand kennt euch hier. Ihr könnt die Person sein, die ihr sein wollt.“ Wir durften unsere Gastfamilien zum ersten Mal treffen.

Zu meiner Gastfamilie gehörte die Gastmutter Naomi, der Gastvater David, meine zwei Gastbrüder David Jr. (14 Jahre alt) und Datyn (12 Jahre alt) und meine Gastschwester Stephanie (24 Jahre alt). David Jr. und Datyn waren allerdings nur David´s Kinder und lebten bei ihrer leiblichen Mutter. So sah ich sie jeden Mittwochabend und jedes zweite Wochenende. Stephanie hatte schon ihr eigenes Apartment. Mit meiner Gastfamilie hatte ich wirklich großes Glück. Ich wurde sehr herzlich willkommen geheißen und als Teil der Familie aufgenommen. Über das Jahr wurden sie zu meiner zweiten Familie, die ich nie vergessen werde.
Mein neues Zuhause war in Rhode Island, dem kleinsten Staat in den USA. Ich lebte in der Staatshauptstadt
Providence. Das war schon eine Umstellung für mich, für ein Jahr statt in meinem Dorf mit 1000 Einwohnern
in einer Stadt mit 178 000 Einwohnern zu leben.

Nach zwei Wochen startete für mich dann auch die Schule in Amerika. Ich würde auf die „Classical High School“ in Providence gehen. Das war schon eine aufregende Sache. Einerseits freute ich mich total, dass ich endlich auf eine High School in den USA gehen durfte, anderseits war ich auch ein bisschen nervös. Würde ich in der Schule mitkommen? Würde ich Freunde finden? Würde ich alles schaffen? Doch als dann der erste Schultag da war, ging einiges wie von selbst. Am Anfang verstand ich zwar noch nicht alles, aber die Lehrer waren sehr verständnisvoll, und mit der Zeit verstand ich mehr und mehr. Von den amerikanischen Schülern wurde ich auch gleich ganz herzlich begrüßt. Natürlich brauchte es seine Zeit, bis sich tiefere Freundschaften bildeten, aber es war auf jeden Fall ein Anfang.

An das Schulsystem musste ich mich auch erst mal gewöhnen. Man hat keine feste Klasse, sondern jeder Schüler hat seinen eigenen individuellen Stundenplan. Außerdem wechseln nicht die Lehrer, sondern die Schüler den Klassenraum. Auch Patriotismus spielt in der Schule eine große Rolle. Jeden Morgen musst man aufstehen, um den „Pledge of Allegiance“ zu sagen. Außerdem hängt in jedem Klassenzimmer eine amerikanische Flagge. Auch das Lehrer-Schüler Verhältnis habe ich hier anders empfunden. Ich hatte den Eindruck, dass es eine eher freundschaftliche, aber trotzdem respektvolle Beziehung war.
 Die Schüler sind hier auch stolz, ein Teil ihrer Schule zu sein. Es gibt den sogenannten „school spirit“. Den muss man erlebt haben, um wirklich zu verstehen, was er bedeutet. Es ist einfach ein fester Zusammenhalt als Schulgemeinschaft. In Deutschland kannte ich das ein bisschen von der Klasse, aber nicht von der Schule als Ganzes. Jede Schule hat auch eine Schulfarbe. An meiner Schule war die Farbe Lila.

Sport spielt an Amerikanischen Schulen eine besonders große Rolle. Vermutlich liegt das daran, dass man durch gute Sportleistungen Stipendien fürs College bekommen kann. College ist in den USA fast unbezahlbar, deshalb braucht fast jeder ein Stipendium. Die meisten Sportarten wurden für jeweils zwei Stunden nach dem Unterricht trainiert. Der Unterricht ging übrigens von 8:20 bis 15:00 Uhr am Nachmittag.  



Was in den Schulen in den USA auch noch sehr wichtig ist, sind die Schultänze (Homecoming, Winterball und Prom). Das ist auch sehr Wichtig für den Zusammenhalt der Schule. Die Schüler reden ein halbes Jahr vor dem Prom, schon darüber. (Welches Kleid? Mit wem geh ich hin? Wo treffen wir uns davor?)
Es war echt genial, dass ich das einmal miterleben durfte.

Die Schule bestimmte schon ziemlich meinen Alltag in den USA. Um ungefähr 7 Uhr nahm ich den Bus zur Schule. Dort gab es kostenloses Frühstück. Um 8:20 fing dann die Schule an. Ich hatte jeden Tag den gleichen Stundenplan (das ist in Amerika normal): Tonen, Spanisch, US Geschichte, Mathe (Pre-Calculus), Sport und Englisch. Im zweiten Halbjahr hatte ich anstelle von Sport Instrumenten Klasse. Die Schule endete um 15:00 Uhr. Es ging dann auch gleich weiter mit zwei Stunden Tennis (allerdings nur im ersten Drittel des Jahres). Um 17 Uhr ging es mit dem Bus nach Hause.

Zuhause musste ich erst mal die Hausaufgaben erledigen. Das dauerte schon 2-4 Stunden. In den USA gibt es generell sehr viele Hausaufgaben. Am Anfang dauerte es noch länger, da ich einige Englischen Wörter erst mal übersetzen musste. Mit meinem Schulenglisch kam ich in Mathe oder auch in Englisch (zum Beispiel bei einer Shakespeare Stück) nicht allzu weit. Oft war ich nach den Hausaufgaben schon ziemlich erledigt. An manchen Abenden unternahm ich noch etwas mit meiner Gastfamilie, manchmal ging ich aber auch früher zu Bett. Nach einiger Zeit verbesserte sich mein Englisch und die Zeit für die Hausaufgaben wurde kürzer. Außerdem brauchte ich nicht mehr so viel Schlaf wie am Anfang. Deshalb konnte ich mehr Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen.

Jeden Mittwochabend war „family night“. Das wurde nach ein paar Monaten eingeführt. Meine ganze Gastfamilie ging zusammen Pizza essen. Manchmal unternahmen wir danach auch noch was anderes: Wir gingen Eis essen, in einen Buchladen, schauten einen Film oder spielten ein Spiel. Das war immer ein Highlight in der Woche.

Am Wochenende hatte ich mehr Zeit. Am Anfang unternahm ich viel mit meiner Gastfamilie. Wir gingen nach Newport (eine Insel, die zu Rhode Island gehört), nach New York City, einfach mal einkaufen oder unternahmen andere schöne Dinge in Providence. Manchmal redeten wir auch einfach. Später verbrachte ich auch viel Zeit am Wochenende mit meinen neugefundenen Freunden. Oft gingen wir in das Einkaufszentrum. Mit meinen Freunden mache ich auch eine Art „Löffelliste“ für meine Zeit in den USA. Also eine Liste mit allen Dingen, die wir noch zusammen unternehmen wollten, bevor ich wieder zurück nach Deutschland gehen würde. Wir wollten zusammen kochen, eine Übernachtungsparty machen, typisches Essen probieren, in den Park gehen und noch viel mehr.

Ein anderer Teil, der im Alltag noch eine große Rolle spielte, waren all die AFS Events. Ungefähr einmal im Monat trafen wir uns mit allen Austauschschülern, die in Rhode Island lebten. Das war immer eine geniale Zeit. Wir hatten verschiedene Camps, in denen wir über unsere Erfahrungen und Probleme reden konnten.
Manchmal hatten wir auch Events wie eine Halloween Party oder ein Dankesessen für unsere Gastfamilien. Das Beste daran war aber die Gemeinschaft, die man mit den anderen Austauschschülern bekommt. Wir alle haben die gleiche Erfahrung, und das schafft Zusammenhalt. Alle Austauschschüler in meiner Gruppe wurden zu meinen guten Freunden, die ich nie vergessen werde. Mit manchen unternahm man mehr, mit andern weniger, aber alle sind jetzt wichtige Menschen in meinem Leben.


Jeder Austauschschüler bekommt auch einen persönlichen Ansprechpartner. Für mich war das Diane Little. Wir trafen uns mindestens einmal im Monat. Mit ihr konnte ich über alles sprechen, und sie konnte mir Rat geben, wenn ich mal irgendein Problem hatte.

Natürlich verlief in meinem Austauschjahr auch nicht alles perfekt. Aber gerade durch schwierigere Situationen lernt man dazu und verändert sich (oft sogar zum Positiven). Am Anfang fand ich es vor allem schwierig, weil man noch keine Freunde hat. Viele Menschen waren dort zwar an einem interessiert, aber trotzdem konnte man nicht über alles mit ihnen reden. Auch Heimweh spielte eine Rolle. Das ist ganz normal, wenn man seine Familie und Freunde in Deutschland für ein Jahr nicht sieht, aber es ist einfach kein schönes Gefühl. In manchen Situationen konnte ich auch das Verhalten von meiner Gastfamilie nicht verstehen. Im Nachhinein sieht man, dass solche Konflikte oft durch den Kulturunterschied ausgelöst wurden.

Über verschiedene Kulturen lernt man in diesem Jahr auch viel. Ich habe viel über die USA gelernt. Die Menschen dort sind oft sehr offen für andere Kulturen. Man fühlt sich schnell willkommen. Es ist aber leider nicht ganz einfach, tiefe Freundschaften zu knüpfen. Wenn man über ein Problem erzählt hat, verlor man oft die Aufmerksamkeit des Gegenübers. Da meine Gastmutter aus Puerto Rico war, lernte ich auch die Spanische Kultur kennen. Auch in meiner Schule gab es sehr viele Schüler aus Puerto Rico und aus der Dominikanischen Republik. Da gibt es dann schon mal verschiedene Ansichten zum Thema Pünktlichkeit, aber auch zum Thema „relaxed“ zu sein. Durch meine AFS Gruppe in Rhode Island lernte ich auch noch junge Menschen von der ganzen Welt kennen (China, Norwegen, Italien, Östereich., Thailand, Island, Argentinien, Kolumbien,…). Was mir klar wurde ist, dass man Menschen einer Kultur nie in eine Schublade schieben kann. Jede Kultur unterscheidet sich und man kann Menschen vielleicht ein kleines bisschen zuordnen. Aber im Großen und Ganzen ist jeder Mensch und jede Familie anders. Man muss Menschen ganz persönlich kennen lernen. Manche Verhaltensweisen kommen von der Kultur, viele aber von der persönlichen Einstellung oder den Familienverhältnissen.

Durch verschiedene Kulturen oder Sprachen können aber auch einige witzige Situationen entstehen. Zum Beispiel habe ich von meinem Gastvater gelernt, meiner Gastmutter Termine, eine Stunde früher anzusetzen. Also wenn etwas um 18 Uhr anfängt, meiner Gastmutter 17 Uhr zu sagen. (Das hat wirklich funktioniert. Überraschender Weise kamen wir so pünktlich.)
Oder wenn ich meine Zimmertür am Tag geschlossen habe, klopfte es ziemlich bald an der Tür. Meine Gasteltern machten sich große Sorgen um mich. Sie dachten mir geht es nicht gut oder ich bin traurig. Dabei wollte ich einfach nur in Ruhe ein bisschen lesen oder Ausruhen. Man sagt auch nicht: „Ich muss mal zur Toilette“ sondern „Ich gehe mal ins Bad“. Oft sind es solche Kleinigkeiten, die zu witzigen oder unangenehmen Situationen führen. Aber im Nachhinein kann man darüber lachen und sich über die verschiedenen Kulturen freuen.

Was mich auch sehr überrascht hat, war, dass ich auch viel über Deutschland gelernt habe. Manchmal dadurch, dass Dinge, die ich als normal betrachtet hatte, auf einmal nicht mehr normal waren. Manchmal auch durch Fragen von Menschen in den USA. Zum Beispiel, dass wir auf manchen Autobahnen keine Geschwindigkeitsbegrenzung haben. Vor einem Jahr habe ich das als normal betrachtet, und jetzt sehe ich es als etwas Besonderes. Man lernt auch manche Dinge in Deutschland mehr schätzen, wie frisches Brot oder einfach mehr Obst und Gemüse. In dem Auslandsjahr lernt man also nicht nur die Kultur des Gastlandes kennen, sondern auch seine eigene Kultur und durch AFS Kulturen in der ganzen Welt.

Ein Teil des Austauschjahres und des PPP Stipendiums war ja auch, ein „kleiner Botschafter“ für Deutschland zu sein. Das passierte eigentlich ganz automatisch. Fast alle Leute, die man traf, fragten mich viele Dinge über Deutschland. Ich hatte vor dem Jahr zwei kleinen Albums über Deutschland, meine Familie und mein Zuhause erstellt. Das war sehr hilfreich, weil ich so durch die Bilder einen kurzen Überblick über Deutschland geben konnte. Ich gestaltete auch eine Power Point Präsentation über Deutschland und die Erfahrung als Austauschschülerin. Diese Präsentation zeigte ich in zwei Klassen in der Schule. Aber ich verwendete sie auch, um anderen Leuten Deutschland zu zeigen.
Generell waren alle immer sehr interessiert. Das motiviert einen natürlich auch. Oft ergaben sich aus verschiedenen Situationen Gespräche über Deutschland: Zum Beispiel beim Tennis, habe ich mit manchen über die Unterschiede in der Schule geredet, oder wenn ich mit meinen Freunden unterwegs war, konnte ich erzählen, was wir in Deutschland so als Jugendliche unternehmen. Ich denke, dass ich allen, denen ich begegnet bin (bei manchen mehr, bei andern weniger), Deutschland gezeigt habe. Manchmal durch Erzählungen, manchmal aber auch durch mein Verhalten oder meine Anwesenheit.

Mein Jahr in den USA war eine tolle Erfahrung. Ich würde es auf jeden Fall nochmal machen. Vor zwei Jahren, als ich mich beworben habe, hätte ich nicht gedacht, dass es eine solche geniale Erfahrung wird, bei der man sich so verändert und so viele neue Dinge kennen lernt. Über das Jahr habe ich so viel gelernt; nicht nur die englische Sprache, sondern auch eine neue Kultur. Dabei bin ich selbstbewusster geworden und habe gelernt offener für neue Erfahrungen zu sein. Ich habe jetzt Kontakte zu so vielen verschiedenen Menschen aus der ganzen Welt. Meine Gastfamilie plant mich im nächsten Sommer besuchen kommen und in zwei Jahren plant meine Familie in die USA reisen, um dort meine Gastfamilie zu besuchen. Das Auslandsjahr hat meine Familie mit einer Familie in den USA verbunden und sogar meine Verwandtschaft hier in Deutschland hat Kontakt zu meiner Gastfamilie. Auch zu meinen amerikanischen Freunden habe ich noch Kontakt und hoffe, dass dieser auch nicht abbricht.


Ein Auslandsjahr ist eine so wertvolle Erfahrung. Ich bin so dankbar, dass ich eine solche Chance bekommen habe. Deshalb möchte ich mich auch ganz herzlich bei meinem Bundestagsabgeordneten Memet Kilic bedanken, dass er mich ausgesucht hat und mich auch in dem Jahr unterstützt hat, auch beim Bundestag und dem Amerikanischen Kongress, dass sie jungen Menschen wie mir eine solche Chance geben, bei AFS, für all die Unterstützung, von der Vorbereitung bis zur Beratung im Gastland und bei allen ehrenamtlichen Mitarbeitern, die das alles überhaupt möglich machten.

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