Bericht über mein Auslandsjahr
The best year of my life!!!
Am 11.August 2011 klingelte mein Wecker um 4 Uhr
morgens. Ich war sofort hellwach. Heute war ein ganz besonderer Tag. Meine
Koffer waren gepackt, die Abschiedsparty´s waren gefeiert und jetzt ging es
los: Mein Jahr in den USA. Meine Familie brachte mich zum Flughafen. Zum Glück
war ich dort nicht allein. 16 andere PPP Austauschschüler und ein paar AFS
Mitarbeiter waren da. Man konnte die Aufregung bei allen spüren. Nach ein paar
Erklärungen zum Ablauf der Reise mussten wir uns von unseren Familien
verabschieden. Das war sicher nicht ganz leicht, aber in diesem Moment siegte
die Vorfreude. Dann gings los. Jeder zog seine Koffer hinter sich her und wir
gingen zur Gepäckabgabe, zum Check in und dann auch ins Flugzeug. Als das Flugzeug
startete, wurde mir bewusst, dass ich Deutschen Boden erst wieder in einem
Jahr, am 30. Juni 2012, betreten würde.
In den USA angekommen wurden wir schon von
Amerikanischen AFS Mitarbeitern erwartet. Alles ging total schnell. Wir wurden
auf verschiedene Busse verteilt. Nach
einem kurzen Zwischenstopp in einem Hotel in New York City, in dem wir wieder
auf verschiedene Zimmer verteilt wurden, ging die Reise zu meinem neuen Zuhause
weiter. In einem Bus wurden alle Austauschschüler, die ihr Jahr in Rhode Island
oder Massachusetts verbringen würden, nach Boston gebracht. Dort hatten wir ein
zweitägiges Vorbereitungscamp. Am Nachmittag des zweiten Tages war es endlich
soweit. Ich konnte den Moment kaum erwarten. Die Mitarbeiter nannten diesen
Moment den „Golden Moment“: „Niemand kennt euch hier. Ihr könnt die Person
sein, die ihr sein wollt.“ Wir durften unsere Gastfamilien zum ersten Mal
treffen.
Zu meiner Gastfamilie gehörte die Gastmutter Naomi,
der Gastvater David, meine zwei Gastbrüder David Jr. (14 Jahre alt) und Datyn
(12 Jahre alt) und meine Gastschwester Stephanie (24 Jahre alt). David Jr. und
Datyn waren allerdings nur David´s Kinder und lebten bei ihrer leiblichen
Mutter. So sah ich sie jeden Mittwochabend und jedes zweite Wochenende.
Stephanie hatte schon ihr eigenes Apartment. Mit meiner Gastfamilie hatte ich
wirklich großes Glück. Ich wurde sehr herzlich willkommen geheißen und als Teil
der Familie aufgenommen. Über das Jahr wurden sie zu meiner zweiten Familie,
die ich nie vergessen werde.
Mein neues Zuhause war in Rhode Island, dem kleinsten Staat in den USA. Ich lebte in der Staatshauptstadt
Providence. Das war schon eine Umstellung für mich, für ein Jahr statt in meinem Dorf mit 1000
Einwohnern
in einer Stadt mit 178 000 Einwohnern zu leben.
Nach zwei Wochen startete für mich dann auch die
Schule in Amerika. Ich würde auf die „Classical High School“ in Providence gehen.
Das war schon eine aufregende Sache. Einerseits freute ich mich total, dass ich
endlich auf eine High School in den USA gehen durfte, anderseits war ich auch
ein bisschen nervös. Würde ich in der Schule mitkommen? Würde ich Freunde
finden? Würde ich alles schaffen? Doch als dann der erste Schultag da war, ging
einiges wie von selbst. Am Anfang verstand ich zwar noch nicht alles, aber die
Lehrer waren sehr verständnisvoll, und mit der Zeit verstand ich mehr und mehr.
Von den amerikanischen Schülern wurde ich auch gleich ganz herzlich begrüßt.
Natürlich brauchte es seine Zeit, bis sich tiefere Freundschaften bildeten,
aber es war auf jeden Fall ein Anfang.
An das Schulsystem musste ich mich auch erst mal
gewöhnen. Man hat keine feste Klasse, sondern jeder Schüler hat seinen eigenen
individuellen Stundenplan. Außerdem wechseln nicht die Lehrer, sondern die
Schüler den Klassenraum. Auch Patriotismus spielt in der Schule eine große
Rolle. Jeden Morgen musst man aufstehen, um den „Pledge of Allegiance“ zu
sagen. Außerdem hängt in jedem Klassenzimmer eine amerikanische Flagge. Auch
das Lehrer-Schüler Verhältnis habe ich hier anders empfunden. Ich hatte den
Eindruck, dass es eine eher freundschaftliche, aber trotzdem respektvolle
Beziehung war.
Sport spielt an Amerikanischen Schulen eine
besonders große Rolle. Vermutlich liegt das daran, dass man durch gute Sportleistungen
Stipendien fürs College bekommen kann. College ist in den USA fast
unbezahlbar, deshalb braucht fast jeder ein Stipendium. Die meisten Sportarten wurden
für jeweils zwei Stunden nach dem Unterricht trainiert. Der Unterricht ging
übrigens von 8:20 bis 15:00 Uhr am Nachmittag.
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Es war echt genial, dass ich das einmal miterleben
durfte.
Die Schule bestimmte schon ziemlich meinen Alltag in
den USA. Um ungefähr 7 Uhr nahm ich den Bus zur Schule. Dort gab es kostenloses
Frühstück. Um 8:20 fing dann die Schule an. Ich hatte jeden Tag den gleichen
Stundenplan (das ist in Amerika normal): Tonen, Spanisch, US Geschichte, Mathe
(Pre-Calculus), Sport und Englisch. Im zweiten Halbjahr hatte ich anstelle von
Sport Instrumenten Klasse. Die Schule endete um 15:00 Uhr. Es ging dann auch
gleich weiter mit zwei Stunden Tennis (allerdings nur im ersten Drittel des
Jahres). Um 17 Uhr ging es mit dem Bus nach Hause.
Zuhause musste ich erst mal die Hausaufgaben erledigen.
Das dauerte schon 2-4 Stunden. In den USA gibt es generell sehr viele
Hausaufgaben. Am Anfang dauerte es noch länger, da ich einige Englischen Wörter
erst mal übersetzen musste. Mit meinem Schulenglisch kam ich in Mathe oder auch
in Englisch (zum Beispiel bei einer Shakespeare Stück) nicht allzu weit. Oft
war ich nach den Hausaufgaben schon ziemlich erledigt. An manchen Abenden
unternahm ich noch etwas mit meiner Gastfamilie, manchmal ging ich aber auch
früher zu Bett. Nach einiger Zeit verbesserte sich mein Englisch und die Zeit
für die Hausaufgaben wurde kürzer. Außerdem brauchte ich nicht mehr so viel
Schlaf wie am Anfang. Deshalb konnte ich mehr Zeit mit meiner Gastfamilie
verbringen.
Jeden Mittwochabend war „family night“. Das wurde
nach ein paar Monaten eingeführt. Meine ganze Gastfamilie ging zusammen Pizza
essen. Manchmal unternahmen wir danach auch noch was anderes: Wir gingen Eis
essen, in einen Buchladen, schauten einen Film oder spielten ein Spiel. Das war
immer ein Highlight in der Woche.
Am Wochenende hatte ich mehr Zeit. Am Anfang unternahm ich viel mit
meiner Gastfamilie. Wir gingen nach Newport (eine Insel, die zu Rhode Island
gehört), nach New York City, einfach mal einkaufen oder unternahmen andere
schöne Dinge in Providence. Manchmal redeten wir auch einfach. Später
verbrachte ich auch viel Zeit am Wochenende mit meinen neugefundenen Freunden.
Oft gingen wir in das Einkaufszentrum. Mit meinen Freunden mache ich auch eine
Art „Löffelliste“ für meine Zeit in den USA. Also eine Liste mit allen Dingen,
die wir noch zusammen unternehmen wollten, bevor ich wieder zurück nach Deutschland
gehen würde. Wir wollten zusammen kochen, eine Übernachtungsparty machen,
typisches Essen probieren, in den Park gehen und noch viel mehr.
Ein anderer Teil, der im Alltag noch eine große
Rolle spielte, waren all die AFS Events. Ungefähr einmal im Monat
trafen wir uns mit allen Austauschschülern, die in Rhode
Island lebten. Das war immer eine geniale Zeit. Wir hatten
verschiedene Camps, in denen wir über unsere Erfahrungen und Probleme
reden konnten.
Manchmal hatten wir auch Events wie eine Halloween
Party oder ein Dankesessen für unsere Gastfamilien. Das Beste
daran war aber die Gemeinschaft, die man mit den anderen
Austauschschülern bekommt. Wir alle haben die gleiche Erfahrung, und
das schafft Zusammenhalt. Alle Austauschschüler in meiner Gruppe
wurden zu meinen guten Freunden, die ich nie vergessen werde.
Mit manchen unternahm man mehr, mit andern weniger, aber alle
sind jetzt wichtige Menschen in meinem Leben.
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Natürlich verlief in meinem Austauschjahr auch nicht
alles perfekt. Aber gerade durch schwierigere Situationen lernt man dazu und
verändert sich (oft sogar zum Positiven). Am Anfang fand ich es vor allem
schwierig, weil man noch keine Freunde hat. Viele Menschen waren dort zwar an
einem interessiert, aber trotzdem konnte man nicht über alles mit ihnen reden.
Auch Heimweh spielte eine Rolle. Das ist ganz normal, wenn man seine Familie
und Freunde in Deutschland für ein Jahr nicht sieht, aber es ist einfach kein
schönes Gefühl. In manchen Situationen konnte ich auch das Verhalten von meiner
Gastfamilie nicht verstehen. Im Nachhinein sieht man, dass solche Konflikte oft
durch den Kulturunterschied ausgelöst wurden.
Über verschiedene Kulturen lernt man in diesem Jahr
auch viel. Ich habe viel über die USA gelernt. Die Menschen dort sind oft sehr
offen für andere Kulturen. Man fühlt sich schnell willkommen. Es ist aber
leider nicht ganz einfach, tiefe Freundschaften zu knüpfen. Wenn man über ein
Problem erzählt hat, verlor man oft die Aufmerksamkeit des Gegenübers. Da meine
Gastmutter aus Puerto Rico war, lernte ich auch die Spanische Kultur kennen.
Auch in meiner Schule gab es sehr viele Schüler aus Puerto Rico und aus der
Dominikanischen Republik. Da gibt es dann schon mal verschiedene Ansichten zum
Thema Pünktlichkeit, aber auch zum Thema „relaxed“ zu sein. Durch meine AFS
Gruppe in Rhode Island lernte ich auch noch junge Menschen von der ganzen Welt
kennen (China, Norwegen, Italien, Östereich., Thailand, Island, Argentinien,
Kolumbien,…). Was mir klar wurde ist, dass man Menschen einer Kultur nie in
eine Schublade schieben kann. Jede Kultur unterscheidet sich und man kann
Menschen vielleicht ein kleines bisschen zuordnen. Aber im Großen und Ganzen
ist jeder Mensch und jede Familie anders. Man muss Menschen ganz persönlich
kennen lernen. Manche Verhaltensweisen kommen von der Kultur, viele aber von
der persönlichen Einstellung oder den Familienverhältnissen.
Durch verschiedene Kulturen oder Sprachen können
aber auch einige witzige Situationen entstehen. Zum Beispiel habe ich von meinem
Gastvater gelernt, meiner Gastmutter Termine, eine Stunde früher anzusetzen.
Also wenn etwas um 18 Uhr anfängt, meiner Gastmutter 17 Uhr zu sagen. (Das hat
wirklich funktioniert. Überraschender Weise kamen wir so pünktlich.)
Oder wenn ich meine Zimmertür am Tag geschlossen
habe, klopfte es ziemlich bald an der Tür. Meine Gasteltern machten sich große
Sorgen um mich. Sie dachten mir geht es nicht gut oder ich bin traurig. Dabei
wollte ich einfach nur in Ruhe ein bisschen lesen oder Ausruhen. Man sagt auch
nicht: „Ich muss mal zur Toilette“ sondern „Ich gehe mal ins Bad“. Oft sind es
solche Kleinigkeiten, die zu witzigen oder unangenehmen Situationen führen.
Aber im Nachhinein kann man darüber lachen und sich über die verschiedenen
Kulturen freuen.
Was mich auch sehr überrascht hat, war, dass ich
auch viel über Deutschland gelernt habe. Manchmal dadurch, dass Dinge, die ich
als normal betrachtet hatte, auf einmal nicht mehr normal waren. Manchmal auch
durch Fragen von Menschen in den USA. Zum Beispiel, dass wir auf manchen
Autobahnen keine Geschwindigkeitsbegrenzung haben. Vor einem Jahr habe ich das
als normal betrachtet, und jetzt sehe ich es als etwas Besonderes. Man lernt
auch manche Dinge in Deutschland mehr schätzen, wie frisches Brot oder einfach
mehr Obst und Gemüse. In dem Auslandsjahr lernt man also nicht nur die Kultur
des Gastlandes kennen, sondern auch seine eigene Kultur und durch AFS Kulturen
in der ganzen Welt.
Ein Teil des Austauschjahres und des PPP Stipendiums
war ja auch, ein „kleiner Botschafter“ für Deutschland zu sein. Das passierte
eigentlich ganz automatisch. Fast alle Leute, die man traf, fragten mich viele
Dinge über Deutschland. Ich hatte vor dem Jahr zwei kleinen Albums über
Deutschland, meine Familie und mein Zuhause erstellt. Das war sehr hilfreich,
weil ich so durch die Bilder einen kurzen Überblick über Deutschland geben
konnte. Ich gestaltete auch eine Power Point Präsentation über Deutschland und
die Erfahrung als Austauschschülerin. Diese Präsentation zeigte ich in zwei Klassen
in der Schule. Aber ich verwendete sie auch, um anderen Leuten Deutschland zu
zeigen.
Generell waren alle immer sehr interessiert. Das
motiviert einen natürlich auch. Oft ergaben sich aus verschiedenen Situationen
Gespräche über Deutschland: Zum Beispiel beim Tennis, habe ich mit manchen über
die Unterschiede in der Schule geredet, oder wenn ich mit meinen Freunden
unterwegs war, konnte ich erzählen, was wir in Deutschland so als Jugendliche unternehmen.
Ich denke, dass ich allen, denen ich begegnet bin (bei manchen mehr, bei andern
weniger), Deutschland gezeigt habe. Manchmal durch Erzählungen, manchmal aber
auch durch mein Verhalten oder meine Anwesenheit.
Mein Jahr in den USA war eine tolle Erfahrung. Ich
würde es auf jeden Fall nochmal machen. Vor zwei Jahren, als ich mich beworben
habe, hätte ich nicht gedacht, dass es eine solche geniale Erfahrung wird, bei
der man sich so verändert und so viele neue Dinge kennen lernt. Über das Jahr
habe ich so viel gelernt; nicht nur die englische Sprache, sondern auch eine
neue Kultur. Dabei bin ich selbstbewusster geworden und habe gelernt offener
für neue Erfahrungen zu sein. Ich habe jetzt Kontakte zu so vielen
verschiedenen Menschen aus der ganzen Welt. Meine Gastfamilie plant mich im
nächsten Sommer besuchen kommen und in zwei Jahren plant meine Familie in die
USA reisen, um dort meine Gastfamilie zu besuchen. Das Auslandsjahr hat meine
Familie mit einer Familie in den USA verbunden und sogar meine Verwandtschaft
hier in Deutschland hat Kontakt zu meiner Gastfamilie. Auch zu meinen
amerikanischen Freunden habe ich noch Kontakt und hoffe, dass dieser auch nicht
abbricht.
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Ein Auslandsjahr ist eine so wertvolle Erfahrung.
Ich bin so dankbar, dass ich eine solche Chance bekommen habe. Deshalb möchte
ich mich auch ganz herzlich bei meinem Bundestagsabgeordneten Memet Kilic
bedanken, dass er mich ausgesucht hat und mich auch in dem Jahr unterstützt
hat, auch beim Bundestag und dem Amerikanischen Kongress, dass sie jungen
Menschen wie mir eine solche Chance geben, bei AFS, für all die Unterstützung,
von der Vorbereitung bis zur Beratung im Gastland und bei allen ehrenamtlichen
Mitarbeitern, die das alles überhaupt möglich machten.
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